Olympia: Heimat bist du grosser Söhne (ohne Töchter)

Manche können sich vor Enttäuschung kaum mehr einkriegen, andere sehen es gelassener: Österreich hat, welch eine Tragödie, bei den alpinen Herrenbewerben keine Medaille gemacht. Keine einzige. Wirklich überhaupt keine. “Ski-Pleite: Trainer vor Hinauswurf” ist denn auch die Titelschlagzeile von “Österreich” (1.3.2010). In der Zeitung besteht der Sportteil aus folgenden Bereichen: 2 Seiten Männerfussball, 1 Seite Inserat der Lotterien mit Lotterie- und ÖOC-Chef Karl Stoss und zwei Goldmedaillengewinnern, den rodelnden Brüdern Wolfgang und Andreas Linger. Daneben eine Seite Eishockeybericht, darunter Inserat von Uniqua “Karl der Große – Benjamin Karl: Snowboard RTL-Silber”.

Nächste Doppelseite: “Köpferollen im ÖSV-Herren-Team”, man sieht Herrentrainer, der Damentrainer gratuliert, der Damentrainer ist dann auch noch separat abgebildet (es gab noch nie Trainerinnen). Darunter Artikel über Benjamin Raich, der eine Bronzemedaille verpasste, hier wird auch die einzige Frau auf diesen Seiten gezeigt und erwähnt: Marlies Schild, nicht primär als Silbermedaillengewinnern, sondern als Freundin von Raich, die ihm beim Rennen zusah. Dann: Interviews Herrentrainer und Raich, Kolumne von Franz Klammer, was zu tun sei (der Herren wegen natürlich, was sonst sollte irgendjemanden interessieren?).  Schliesslich noch eine Doppelseite, die Medaillen, abgebildet sind zwei österreichische Sportler, ein Koreaner, eine Norwegerin. Eine österreichische Goldmedaillengewinnern (Andrea Fischbacher, Super-G) hat keine Chance auf ein (großes) Foto. Ganz unten ist noch ein kleines Foto hingequetscht, Österreicher mit Goldmedaillen, oder Österreicher und Österreicherin? Es steht nichts dabei.

Der Standard schreibt: “Eine nationale Krise, ein nationales Drama, eine nationale Katastrophe gar. So wird, zumindest da und dort, der ‘Salto nullo’ der Skifahrer bei den gestern beendeten Olympischen Spielen besungen. Tatsächlich dürfte die Nullnummer vielen Österreichern eher in Erinnerung bleiben als Medaillen im Rodeln, Skispringen, Biathlon, Kombinieren, Snowboarden, Skicross und Skifahren (Damen). Künftig wird oft von ‘Vancouver 2010′ die Rede sein, so wie ‘Sarajewo 1984′ wegen der einen Bronzenen des Abfahrers Anton Steiner ein geflügelter Begriff ist.” Ein User oder eine Userin dazu: “So fuhren 52 Sportler, aber nur 29 Sportlerinnen nach Vancouver -  die frauen sind halt im großen und ganzen vernünftiger. (weil ihnen die möglichkeit fehlt, mit den eiern zu denken?).”

Ein/e andere/r:
“Oh ja!
Die Frauenquote bei Olympischen Spielen regt mich seit ewigen Zeiten auf. Dass sich nie eine Frauenministerin dazu geäussert hat, auch.
Es gab Spiele, bei die Ski-Damen mehr Erfolgsaussichten hatten als die Herren, aber immer war die Quote 13:9 für die Herren.
Und legendär die ORF- und Kurier-Titelung vor einigen Jahren, als nach mehreren Ski-Weltcup-Damensiegen der erste Herren-Sieg sinngemäss als ‘Erster Weltcup-Sieg der Saison für Österreich’ posaunt wurde.
Ausserdem: Ich war baff, wie viele Schnee-Disziplinen ohne Österr. stattfanden.
Und fast nix in Eiskunstlauf, Eisschnellauf, Curling. Gut, Eishockey haben’s immer wieder probiert, aber der Rest?
Zu viel Geld für die Alpinen, zu wenig für den Rest. Und alles zu männerlastig.”

News zitiert OÖC-Chef Stoss: “Das erstmalige Ausbleiben von Medaillen für die österreichischen Skiherren, bereitet Stoss nicht all zu viel Kopfzerbrechen. ‘Das ist nicht so schlimm. Medaillen wären ganz toll gewesen, aber es kommen bald wieder andere Großereignisse. Das ist zwar eine gewisse Schmach, aber ich würde das nicht überbewerten’, meinte der seit Herbst amtierende ÖOC-Boss am Sonntag im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur. Vielmehr verwies er auf die Erfolge in den anderen Sparten und freute sich, dass Österreich so ‘schön breit’ aufgestellt sei. ‘Das ist etwas ganz Tolles.’ “

Wie kann man(n) überhaupt auf die Idee kommen, von “Schmach” zu sprechen, und sei es nur “eine gewisse”? Man(n) widmet fast alle Aufmerksamkeit den alpinen Herren und dem Fussball, als ob es keine Sportlerinnen und keine anderen Sportarten gäbe. Da wundert man(n) sich dann, wenn Nationalismus geschürt wird, der auch in Krawallen und rechtsextremen Bekundungen bei Fussballspielen Ausdruck findet. Wenn all das Gerede von Breitensport und dass man besonders Kinder und Jugendliche zu sportlicher Betätigung animinieren möchte, nicht bloss leere Worte etwa in den Lotterie-Inseraten sein sollen, müsste mal klargemacht werden, dass es um Mitmachen und nicht um Zusehen geht.

Olympia war immer schon auch eine politische Frage, denn selbst in der Antike hing die Teilnahme davon ab, ob Sport wichtig war oder nicht. So ist überliefert, dass Anaxandros aus Sparta 464 v. u.Z. mit seinem Gespann zwar in allen Rennen daheim der Schnellste war, aber annahm, dass er bei den Olympischen Spielen wenig Chance haben wird. Denn meinte, seine Pferde seien dafür noch nicht reif genug. Er fürchtete die Konkurrenz aus Sizilien, doch jene, die dort an die Macht gekommen waren, hatten kein so großes Interesse an sportlichen Erfolgen. So konnte Anaxandros knapp siegen, weil sich im Gespann des Zweiten, eines Thebaners, ein Pferd leicht verletzte.

Und so reisen Funktionäre an, detto Politiker, fliesst viel Geld in den Bereich Olympia (und manches nicht dorthin, wo es hinfliessen sollte). Wäre Östereich kein Macholand, wie es das profil nennt, würden die “großen (sportlichen) Töchter” endlich genauso behandelt und gewürdigt wie die Söhne (die sind gar nicht so gross wie immer behauptet,und die Töchter sind grösser als angenommen). Vielleicht ist der beste Umgang mit der “Niederlage” der alpinen Herren, diese völlig zu ignorieren und sich auf die Medaillengewinnerinnen Marlies Schild, Elisabeth Görgl und Andrea Fischbacher zu konzentrieren (außerdem gewannen: Marion Kreiner (Snowboard, Bronze) und Nina Reithmayer (Rodeln, Silber).

Die Werbung für Team Rot-Weiss-Rot stellt übrigens Frauen und Männer dar, die auch mit Medaillenwünschen an Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den Olympischen Spielen inseriert wurden. Zwar zeigt sich die halbe Bundesregierung nur bei Fussballspielen oder alpinen Herrenbewerben, gratuliert aber wenigstens Frauen und Männern gleichermaßen….

2 Antworten auf diesen Artikel.

  1. Veröffentlicht von Peter2509 am März 1, 2010 um 5:08 nachmittags

    Na dann nennt sie doch SöhnInnen

    Antwort

  2. Veröffentlicht von Peter2509 am März 2, 2010 um 9:43 vormittags

    Dann nennt sie doch SöhnInnen, Ihr ach so selbstbewußten und lustig kommentierenden ZensorInnen. Man ist halt nur beim kritisieren Anderer cool und lustig. Wenn was zurückkommt, schnell löschen.

    Antwort

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