Der Ursprung des Terrors

Wir neigen dazu, auch aufgrund von Medienberichterstattung und ihren Schwerpunkten, Terror als historisch junge und nur einem Kulturkreis zuzuordnende Erscheinung zu betrachten. Vermutlich ist der Terror aber vor sechseinhalbtausend Jahren aufgekommen, als protoindoeuropäische Nomadenstämme begannen, sesshafte Völker zu überfallen. Die berühmte Archäologin Marija Gimbutas nannte diese Nomaden nach ihren Grabhügeln “Kurganvölker” und versteht ihr Auftreten auch als Indiz für die Phase des Übergangs vom Patriarchat zum Matriarchat.

Denn die (berittenen) Kurganvölker waren patriarchal und sehr an Besitz orientiert, ihre Herden waren ihnen wichtig, es ging ihnen auch um Weideland. Für matriarchale Völker, die vor allem vom Ackerbau lebten, waren sie eine fremde Kultur und Menschen, die Angst und Schrecken verbreiteten. Es dauerte freilich viele Jahrhunderte, bis das Matriarchat wirklich zurückgedrängt war, wobei die monotheistischen patriarchalen Männerreligionen (bei denen der Glaube an die Göttin umgeformt wurde) ebenfalls eine wichtige Rolle spielten. Die christliche Kirche erfand auch ihre eigenen Spielarten des Terrors wie die Ausrottung der Katharer oder die Hexenverfolgung.

Terror soll Menschen immer mit dem einschüchtern, was einigen angetan wird und potenziell allen wahllos angetan werden kann. Er soll willfährig machen, zum Aufgaben von Ansprüchen und Besitz führen, er soll Menschen zu gewünschtem Verhalten zwingen. Kamen die Kurganvölker wahrscheinlich noch ohne Ideologie aus und wollten einfach die Dörfer der Sesshaften besitzen, so wurde später konstruiert, die jeweils anderen seien schlecht, man selbst verfolge aber eine gute Mission. Für die Opfer kam es sich auf das Gleiche heraus: die anderen waren die Stärkeren, wer sich wehrte, starb.

Diktaturen werden nicht ohne Grund auch Terrorregime genannt, weil hier auch den “eigenen” Menschen das angetan wird, was sonst nur bei “Fremden” akzeptiert wird. Demokratien kennen jedoch auch Terror, wie die Geschichte von Gladio zeigt oder zahlreiche Putsche gegen demokratische Staatschefs, denen Jahre der Diktatur mit vielen Toten folgten, wie gegen Allende in Chile oder Mossadegh im Iran. Terror ist die Einschüchterung von Menschen eines Landes durch Anschläge im öffentiichen Raum, die jede/n treffen können und daher ein Klima der Angst schaffen. Terror ist auch. Spitzenpolitiker oder wichtige Wirtschafsvertreter unter Druck zu setzen, ihnen mit Konsequenzen drohen, wenn sie ihre Absichten weiter verfolgen, sie gegebenfalls auch physisch zu vernichten (siehe etwa Aldo Moro oder Enrico Mattei in Italien).

Dieser “westliche Terror“  ist kaum mehr Thema, wenngleich es dazu auch viele Veröffentlichungen gibt etwa von Danielle Ganser aus der Schweiz. Es wird auch kaum ein Politiker den Mut haben, jene zu benennen, die ihn dafür “bestrafen” werden, wenn er sein Amt souverän ausübt und generell tut, was er möchte. Bei Terror im islamistischen Milieu ist es viel einfacher, da kann man nicht nur von den Tätern sprechen, man kann auch Menschen pauschal unter Verdacht stellen, weil sie auch Muslime sind. Leider reagieren, was aber in einem patriarchalischen System kein Wunder ist, viele Menschen eben nicht mit innerer Ruhe auf Demütigungen, sondern sehen auch gleich eine Religion in Frage gestellt.

Islam in Spanien (nach der Reconquista setzte die Judenverfolgung ein)

Manche agieren auf eigene Faust und sprengen sich in einem Bus in die Luft, andere schaffen es, strenge Kontrollen zu passieren (dies ist allerdings schwer möglich, ohne dass sie Helfer haben, über die einfache “Dritte Welt-Terroristen” kaum verfügen werden). Es fragt sich also immer, ob wir auch alles erfahren über die Hintergründe jener im letztem Moment glimpflich ausgegangenen Situationen, die nun beispielsweise zur Einführung von Nacktscannern auf Flughäfen führen. Jenes Land, das selbst so viel Leid durch Terror in die Welt gebracht und so vielen Menschen den Tod gebracht hat, fürchtet sich am meisten vor Terror.

Geister, die sie riefen? Oder einfach die logische Folge einer patriarchalen Haltung, wonach man selbst anderen alles antun kann, weil man sich ja auf Gott beruft und selber nur gut sein kann, während andere (die nur leben wollen, die nur arbeiten wollen, die nur lieben wollen oder/und die in einem Land mit Rohstoffen leben oder der Nato unangenehm sind). Obama sieht in einen Abgrund, der zu ihm zurückblickt, er sieht den Terror, den sein Land über die Welt bringt, den auch er über die Welt bringt. Dass Terror schlecht ist, vermittelt seine Politik nicht, ebenso wenig, wie er Menschenrechte als Standard propagiert, denn dazu müsste er sie selbst in jeder Situation allen Menschen gegenüber bedingungslos einhalten.

Würde er sich dazu entschliessen, mit gutem Beispiel voranzugehen, würde man ihm Werte abnehmen und glauben, dass es falsch ist; Menschen zu terrorisieren. Man braucht im Grunde für internationale Beziehungen peace keeping, denn da geht es um gewaltfreie Konfliktösung, um die Einbindung aller Beteiligten und darum, gerade auch den Frauen zuzuhören. Peace keeping würde nicht nur für andere Klimagipfel sorgen, auch Abrüstungsverhandlungen wären wesentlich produktiver. Und bei EU-USA-Treffen und bilateralen Gesprächen dürfte und sollte ebenfalls alles erörtert werden, auch dass Druck auf Regierungsmitglieder von Staaten ausgeübt wird, die aus der Kurgan-Sicht “schwächer” sind.

Wie wäre es, im Matriarchat zu leben? Man kann es heute beispielsweise in China besuchen, wie es der Verfasser dieses Textes getan hat: “Nach Überwindung einiger Probleme konnte ich ein höchstinteressantes Gespräch mit einer Mouso Frau führen. Die sehr gebildete Dame erzählte, dass ihre höchste geistliche Instanz ist eine Art Schamanin ist, die über das Leben im Gesamten entscheidet in deren Namen geboren und gestorben wird. Ihr untergeordnet ist ein kompliziertes Geflecht aus weiblichen aber auch männlichen GöttInnen und Geistern. Das tägliche Leben ist eng an die überlieferte Religion gebunden und es besteht im Gegensatz zum Rest Chinas ein ‘heiliger’ Umgang mit der Natur. Matrilineare Weitergabe von Haus und Hof beinhaltet lediglich die Familienversorgung, ein verbriefter Anspruch auf Grund und Boden besteht nicht. Die Göttin regelt die Verhältnisse aller Mosuo und jeder Einzelne übernimmt die Verantwortung für die Gemeinschaft. Überlebt hat diese Religion nicht zuletzt dadurch, dass in China die Konkurrenz einer männlich dominanten Gottheit klein ist. Der Einzige ‘Feind’ ist das patriarchale Staatssystem und in den letzten Jahren immer stärker der Tourismus.

Es ist klar, dass die Krise unseres Systems nicht nur eine der Wirtschaft und der Ökologie ist, sondern auch eine des Patriarchates. Typisch für das Patriarchat ist das Delegieren von Göttlichem in den Himmel, während matriarchale, erdgebundene Spiritualität alles Heilige in der Natur wahrnahm. Daraus resutiert, dass Menschen von Göttinnen/Göttern in ihrem Handeln inspiriert sind, dass Moral und Ethik nicht auf eine dem Alltag ferne Ebene gehören. Göttinnenvorstellungen kommen auch ohne das Böse aus, denn es gibt nur richtiges oder falsches Verhalten von (lernfähigen) Menschen.

Wenn wir dazu übergehen, nachhaltig zu wirtschaften, uns nicht mehr so an Besitz zu klammern wie die Kurgan-Anführer an ihre Herden, werden wir besser und zufriedener leben, denn wir müssen keine Energie mehr dafür aufbringen, mit anderen ernsthaft und nicht bloss als spielerischer kreativer Wettstreit zu konkurrieren. Den matrilokalen Dörfern entsprechen manchmal im realen Alltag die Behausungen der Frauen, zu denen Männner ziehen (nach ganz ganz alter Sitte gewissermaßen) und die natürlich mit allem ausgestattet sind, was im modernen Leben benötigt wird. Auch auf Fussball im Fernsehen müssen sie nicht verzichten, und auf Leseabende schon gar nicht. Wir sehen also, dass mehr Matriarchales durchaus alltagstauglich ist….

Riane Eisler, Kelch und Schwert ist ebenfalls ein Buch zur Zivilisationsgeschichte

Über die Kurganvölker

Marija Gimbutas zu den GöttInnen der Balten

Eine Antwort auf diesen Artikel.

  1. Veröffentlicht von Matriarchin am April 22, 2010 um 5:25 pm

    “Die berühmte Archäologin Marija Gimbutas nannte diese Nomaden nach ihren Grabhügeln “Kurganvölker” und versteht ihr Auftreten auch als Indiz für die Phase des Übergangs vom Patriarchat zum Matriarchat.” Es sollte wohl richtigerweise “… vom Matriarchat zum Patriarchat” heissen.

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